Alte Schichten, neue Räume
Gründerzeitwohnung in Berlin von Niklas Fanelsa
Warum wohnen viele Menschen so gern im Altbau? Romantiker meinen, die alten Mauern erzählen Geschichte, Pragmatiker schätzen ihren guten Luftaustausch und so manch kreativen Grundriss. Niklas Fanelsa gefallen die aus unterschiedlichen Zeiten verschiedener Bewohner angesammelten Schichten, die eine ganz eigene Materialität erzeugen. Bei diesem Umbauprojekt einer Altbauwohnung in Berlin kombiniert er das alte Verblichene mit dem neu Hinzugefügten. In dem bis auf die untersten Schichten freigelegten, ursprünglichen Bestand setzt er eine Struktur aus Holz, in der gewohnt wird.
Schicht für Schicht abgetragen
Die 60 Quadratmeter große Wohnung liegt in einem Gründerzeithaus im Stadtteil Neukölln. Der Berliner Architekt Niklas Fanelsa renovierte sie komplett, wollte aber Elemente des Alten erhalten. Die früheren Bewohner hinterließen eine abgenutzte Wohnung, deren Wände, Böden und Decken Spuren der vergangenen Jahrzehnte zeigten: in Form von Tapeten mit altmodischen Texturen, billigem Laminat und bizarr gemusterten Fliesen. Nach dem Abtragen diverser Schichten kamen brüchige Wände, kupferne Rohrleitungen und blutrote Dielen zum Vorschein.
Raum im Raum
Im Laufe der Umstrukturierung wurde eine Trennwand abgerissen. Dadurch entstand ein neuer großer rechteckiger Wohnbereich, in dem eine maßgefertigte Struktur aus heller Holzvertäfelung eingesetzt wurde. Dieser Einbau ist gleichzeitig Trennwand und ein vielseitiges Möbelstück mit Schränken und Schubladen. Hinter ihr verbirgt sich ein Schlafbereich mit Hochbett, ein Schreibtisch und zusätzlicher Stauraum. Außerhalb des eingebauten „Raum im Raum“ werden die Narben der entfernten Wand sichtbar oder, wie im kleinen Fenstererker, die zerschrammten Dielen mit der typischen rotbraunen Ochsenblutfarbe.
Zwei Materialitäten
Zwischen Bad und Küche wurde eine vorhandene Trockenbauwand durch durchscheinende Polycarbonatplatten ersetzt. In diesen beiden Räumen sind auf den Böden Zementfliesen verlegt. Im Badezimmer sind die Wände mit rauem Putz bedeckt, wodurch die neuen glatten Fliesen und glänzenden Armaturen hervorgehoben werden. Die anderen Wände der Wohnung bestimmen mit ihrem neutralen Farbton, der unter der Tapete hervorkam, die gedämpfte Farbpalette der neuen, ergänzten Elemente. Die elektrische Installation ist unter an der Wand montierten, glänzenden Aluminiumprofilen verborgen, die sich in gleichmäßigen Linien durch die Wohnung schlängeln. Fanelsa spielt mit zwei Materialitäten – mit der alten Schicht, die Spuren und Charme des Vergangenen zeigt und der neuen – eine moderne Holzstruktur, die im Kontrast zum Alten steht.
FOTOGRAFIE Atelier Fanelsa
Atelier Fanelsa
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