Holzhaus im Steinkleid
Ein Wohnhaus in der Schweiz als abstraktes Spiegelbild seines natürlichen Umfelds
Vorgefertigt und doch einzigartig: In den Weinbergen Tessins, auf einem hoch oben gelegenen Plateau gelegen, steht die Villa Montebar. Das Wohnhaus inmitten der Schweizer Alpen ist in ein monolithisches Gewand aus grauem Stein gekleidet. Hinter den Kulissen dieses außergewöhnlichen Neubaus wartet die eigentliche Überraschung: Es wurde aus vorfabrizierten Holzelementen gebaut.
Ein Großteil der Konzeptionsphase wurde mit der Recherche geeigneter Materialien für innen und außen verwendet: Alles sollte perfekt aufeinander abgestimmt sein und eine homogene und pure Form ergeben.
Felsiges Chamäleon
Die Magie dieses Ortes überkommt den Besucher sofort: Die Stille der Berge wird nur ab und an vom Klang einiger Kuhglocken durchdrungen und die Luft ist rein und duftet nach unberührter Natur. Das Setting für einen Neubau stimmte also – und der Mailänder Architekt Jacopo Mascheroni wusste es für einen herausragenden Neubau zu nutzen. Dabei zog der Planer das Dach, dessen Silhouette einer asymmetrischen Geometrie folgt und aus sechs ungleichen Flächen besteht, bis kurz über den Erdboden. Der monolithische Eindruck wird durch das homogene Fassadenbild mit seiner bündigen Oberfläche weiter verstärkt: Als Material verwendete der Architekt eine graue Feinsteinzeugfliese, die er auch auf den Klappläden der Fenster einsetzte. Wenn diese geschlossen sind, ist das Haus kaum von einer felsigen Bergspitze zu unterscheiden. Die einzige Ausnahme in der Regel ist die Südseite der Villa, die sich über eine Glasfront zum Alpenpanorama hin öffnet.
Kurze Montagedauer
Unter der steinernen Außenhülle verwendete der Architekt vorgefertigte und wärmeisolierte Holzelemente als Unterkonstruktion für Wände und Dach. Die Fassade ist zudem hinterlüftet und dadurch besonders geeignet für das vergleichsweise warme Klima in der Alpenregion Tessin: Der Aufbau der Außenhülle erzeugt nicht nur einen hohen energetischen Standard, sondern auch ein angenehmes Wohnklima. Ein weiteres Plus der vorfabrizierten Objekte ist die kurze Montagedauer: In nur wenigen Tagen ließen sie sich vor Ort aufbauen. Ein Vorteil bei einem Grundstück, das sich inmitten von Weinbergen und damit schwer zugänglicher Lage befindet. Auch im Inneren verwendete Mascheroni ausschließlich das für die Region typische Baumaterial Holz: mal mit einer natürlichen, mal mit einer weißen Oberfläche.
Abstraktes Spiegelbild
Den hexagonalen Grundriss teilte der Architekt in privatere und öffentlichere Bereiche ein: In Richtung Westen wurden die Schlaf- und Badezimmer platziert, in Richtung Süden und damit hinter dem verglasten Fassadenabschnitt liegt der Wohn- und Essbereich. Hier fügten die Planer außerdem eine Loggia ein, die das Haus mit dem Außenraum verbindet. Die Zimmer befinden sich zum größten Teil auf der Erdgeschossebene – nur die beiden Kinderzimmer verstecken sich als Mezzanine unterhalb der Dachkonstruktion. Über eine Reihe von Einbaumöbeln erzeugt Jacopo Mascheroni zudem eine enorme Großzügigkeit in dem 200 Quadratmeter großen Haus. Inspiriert von der Landschaft und geleitet durch die Tessiner Bauvorschriften hat der italienische Architekt mit der Villa Montebar einen Ort geschaffen, der seine gestalterische Kraft durch das Wechselspiel mit dem Außenraum erlangt: Ein Haus als abstraktes Spiegelbild seines natürlichen Umfelds.
FOTOGRAFIE Jacopo Mascheroni
Jacopo Mascheroni
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