Patio in London
Pashenko Works erweitert ein viktorianisches Reihenhaus
In der britischen Hauptstadt hat das Büro Pashenko Works den Typus des viktorianischen Reihenhauses neu belebt. Indem der Garten von einem rückseitigen Erweiterungsbau eingefasst wird, entsteht ein Patio mit fließendem Übergang zwischen Innen- und Außenbereich.
In der Stadt wohnen oder doch hinaus aufs Land? Die Architektin Mariia Pashenko entschied sich klar für den urbanen Raum. Für ihre Familie mit zwei kleinen Kindern suchte sie ein neues Zuhause, in das später bei Bedarf auch die Großeltern einziehen können. In der Londoner Harbour Road – auf halbem Wege zwischen den Vierteln Brixton und Camberwell am südlichen Themse-Ufer – wurde sie fündig.
Mehrere Jahre stand das 1890 erbaute Reihenhaus leer und verfiel zusehends. Um es bewohnbar zu machen, waren umfangreiche Renovierungsarbeiten erforderlich. Das Haus war schlecht isoliert. Feuchtigkeit drang hinein und sorgte teils für unangenehme Gerüche. Auch fehlte ein großes Bad, während das dritte Schlafzimmer keine sieben Quadratmeter maß. Kurzum: Das Haus entsprach weder heutigen Wohnstandards noch den Erwartungen der Familie.
Verdoppelung der Wohnfläche
Doch wer bauen will, braucht Fantasie. Und die haben Architekt*innen schon von Berufs wegen aufgesogen. Mariia Pashenko hat an der Akademie der Künste in ihrer Geburtsstadt Kiew sowie an der Architectural Association in London studiert und anschließend unter anderem für Foster + Partners, Allies and Morrison und AECOM gearbeitet. Sie wusste gleich, was zu tun ist: Die Fläche des Hauses verdoppelte sie von 115 auf 230 Quadratmeter. Sie ergänzte den historischen Baukörper an der Harbour Road um einen rückseitigen Anbau, der sich vom Erdgeschoss bis zum ersten Obergeschoss erstreckt. Ein Atrium bringt Tageslicht ins Zentrum des Hauses. Zugleich stellt es eine Pufferzone zwischen alter und neuer Bausubstanz her und verbindet alle Geschosse auf visueller sowie physischer Ebene.
Logik der zwei Achsen
Das in viktorianischen Häusern traditionell zur Straße ausgerichtete Wohnzimmer wurde in ein Büro umgewandelt, um hybrides Arbeiten von zu Hause aus zu ermöglichen. Die geräumige Wohnküche im Erdgeschoss öffnet sich mit bodentiefen Schiebefenstern zum Garten, der beidseitig von alten Mauern eingefasst wird. Ein neu errichteter, eingeschossiger Baukörper rahmt den Garten an der gegenüberliegenden Seite ein. „Die Raumfolge ist nicht nur horizontal, sondern auch vertikal durchdacht. Das Erdgeschoss öffnet sich zur Terrasse und zum Garten hin, perfekt für gesellige Zusammenkünfte“, erklärt Mariia Pashenko.
Gewandelte Strategie
Im ersten Obergeschoss wurden die Gäste- und Kinderzimmer untergebracht. Das ruhige, lichtdurchflutete Elternschlafzimmer liegt im zweiten Obergeschoss in einer neu ausgebauten Mansarde. Ursprünglich wollte die Stadtverwaltung den Dachausbau nicht zulassen, weil der Entwurf nicht traditionell genug war. Also ging die Architektin in die umgekehrte Richtung: Sie reichte eine umso zeitgenössischere Interpretation von Dachgauben ein – und hatte schließlich Glück mit der Genehmigung.
Nachhaltige Planung
Die Fassade des Anbaus wurde mit cremefarbenen Wellstahlblechen verkleidet, die auf die Tonalität der Fensterrahmen und Türen abgestimmt sind. Die helle Farbe erzeugt ein Gefühl der Leichtigkeit. Zugleich wird ein klar lesbarer Bruch zwischen historischer und neuer Substanz erzeugt. Auch ein sparsamer Energieverbrauch stand bei der Planung an vorderster Stelle. Fenster am höchsten Punkt des Atriums sorgen im Sommer für eine natürliche Querlüftung und machen eine Klimaanlage überflüssig. Ein Teil des Stroms wird durch vier Fotovoltaikmodule direkt auf dem Dach erzeugt. In den polierten Betonböden verbirgt sich eine Fußbodenheizung, die effizient auf Niedertemperatur die Innenräume wärmt.
Interieur mit Bodenhaftung
Im Eingangsbereich zieht der Amp Chandelier von Normann Copenhagen die Blicke auf sich. „Er soll ein leichtes Gefühl von Erhabenheit vermitteln. Die Elemente des Kronleuchters bestehen aus weißem Marmor, dem gleichen Material, das als Zuschlag für die Terrazzoplatten im alten Teil des Hauses verwendet wurde“, sagt Mariia Pashenko. Einige Esszimmerstühle sind originale Result-Modelle von Friso Kramer, die in den Fünfzigerjahren in den Niederlanden hergestellt wurden. Bei den übrigen Stühlen handelt es sich um Neuauflagen des modernistischen Klassikers von HAY.
Der Teppich in der Sitzecke ist ein Entwurf der Architektin. „Er wurde aus Lederresten hergestellt, die ich in einem Laden in der Brick Lane gefunden habe. Der Besitzer des Geschäfts war überrascht, dass ich diese Reste haben wollte und gab sie mir fast umsonst. Die Lederstücke wurden von den ukrainischen Näherinnen, mit denen ich öfters arbeite, zusammengenäht. Der Teppich fühlt sich sehr weich an und ist gleichzeitig sehr strapazierfähig. Ein großartiges Beispiel dafür, wie man Dinge für nicht allzu viel Geld upcyceln kann“, erklärt Mariia Pashenko.
Raum zum Toben
Insgesamt 350.000 Pfund kosteten Umbau und Anbau zusammen. „Das Schönste an dem Projekt ist, das Ergebnis unserer harten Arbeit zu sehen, die Bilder von vorher und nachher. Es war eine lange, herausfordernde Reise und wir haben unser ganzes Herzblut in das Projekt gesteckt, aber die Verwandlung ist wirklich erstaunlich“, sagt Mariia Pashenko. Es gefällt ihr, wenn die Kinder im Garten spielen und sich mit um das Gemüse kümmern, das dort angebaut wird. „Sie haben jetzt so viel zusätzlichen Platz zum Toben“, so die Architektin. Es scheint, als hätte sie wirklich ihr Zuhause gefunden.
FOTOGRAFIE Stijn Bollaert Stijn Bollaert
| Typologie | Reihenhaus |
| Ort | London, Großbritannien |
| Architektur | Pashenko Works |
| Interieur | Pashenko Works |
| Fassade des Anbaus | cremefarbenes Wellstahlblech |
| Um- und Anbaukosten | 350.000 Pfund |
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