Von der Enge zur Offenheit
Filmreifer Wohnungsumbau in Madrid von GON Architects
Mitten in Madrid verwandelte das ortsansässige Büro GON Architects ein unspektakuläres Dachgeschoss in die filmreife „Casa Flix“. Dieser Umbau zeigt, dass sich selbst kleine, schwierige Grundrisse in großzügig wirkende Wohnlandschaften verwandeln lassen.
Dachgeschosswohnungen haben gleich mehrere Vorzüge: Sie bieten in der Regel einen unverbauten Ausblick auf die Umgebung, Ruhe und räumliche Abgeschiedenheit. Ihre schrägen Wände, spitzen Winkel und niedrigen Deckenhöhen können einzigartigen Charme versprühen – erfordern jedoch oft kreative Lösungen, um diese baulichen Gegebenheiten optimal zu nutzen. Genau vor dieser Aufgabe stand auch das Team von GON Architects, als es mit dem Umbau einer Dachgeschosswohnung im Herzen von Madrid beauftragt wurde.
Alles am falschen Platz
Die 42 Quadratmeter große Wohnfläche im sechsten und obersten Stock eines historischen Gebäudes aus dem Jahr 1900 war ursprünglich in zwei separate Räume unterteilt: einen rechteckigen Hauptraum und ein kleineres quadratisches Zimmer. „Unlogisch gestaltet und eingerichtet“, beschreibt der Architekt Gonzalo Pardo den ursprünglichen Zustand der Dachgeschosswohnung. Die Räume waren sehr dunkel, die Küche befand sich direkt im Eingangsbereich und das Bett stand mitten im Wohnzimmer.
Um dem Apartment, in dem der Auftraggeber Roberto bereits seit mehreren Jahren lebt, ein neues Layout zu geben, veränderten die Planer*innen zunächst den Grundriss. Aus der zweigeteilten Wohnfläche wurden vier aufeinanderfolgende, offene Arbeits-, Wohn-, Ess- und Schlafbereiche. Weiße Wände bilden den Hintergrund, während einzelne blau oder grün gestrichene Flächen gezielt Akzente setzen. In Kombination mit der minimalistischen Einrichtung – bestehend aus Sofa, Tisch, vier Stühlen und einem Bett – entsteht ein ausgewogenes, harmonisches Interieur, das durch großformatige Bodenfliesen aus hellem Porzellan zusammengehalten wird.
Smarter Stauraum
Für die optimale Raumnutzung setzten die Architekt*innen aber auch auf maßgeschneiderte Einbauten. Für den passionierten Hobbykoch Roberto entstand so eine 5,5 Meter lange und über zwei Meter hohe Küchenzeile als kompakter Stauraumblock, in dem sich fast alle Haushaltsgegenstände und Küchenutensilien verbergen lassen. Zusätzlichen Stauraum gibt es unter den Dachschrägen auf der gegenüberliegenden Seite in niedrigen Wandschränken. Auch Toilette und Waschbecken sind geschickt integriert: Sie verschwinden hinter einem verspiegelten, 2,10 Meter hohen und nur 90 Zentimeter breiten Einbau, der eher wie ein Schrank wirkt als wie der Zugang zu einem Badezimmer. Die Dusche wiederum wurde direkt in den Schlafbereich eingebunden und durch Spiegel optisch vergrößert.
Licht als Gestaltungselement
Eine zentrale Rolle im Umbauprozess spielte der Umgang mit Licht: Vor allem durch neue Dachfenster, ein rundes Bullauge im Flurbereich und eine transparente Eingangstür maximierte das Team von GON Architects den Lichteinfall. Das ultramatte Gelb der deckenhohen Küchenfront hellt wiederum den dunkelsten Bereich der Wohnung auf. In den offenen Wohn- und Essbereich gelangt Sonnenlicht zudem durch die Glasbausteinwand der angrenzenden Dusche im Schlafzimmer.
Wohnen wie im Film
Diese Vorrichtung verändert aber auch die räumliche Atmosphäre in der Casa Flix, wenn es dunkel wird: Denn bei Kunstlicht wirkt die Dusche wie eine Laterne, die den offenen Wohnbereich in eine cineastische Stimmung versetzt und an die Ästhetik von Filmen des US-amerikanischen Regisseurs Wes Anderson erinnert. Ein besonderes Highlight ist schließlich auch der Blick aus dem Bett: Durch das Dachfenster eröffnet sich dem kinoaffinen Auftraggeber nun der direkte Ausblick auf die ikonische Leuchtreklame am Capitol-Gebäude, die seit den Siebzigerjahren als eines der berühmtesten Wahrzeichen Madrids gilt.
FOTOGRAFIE Imagen Subliminal (Miguel de Guzmán + Rocío Romero)
Imagen Subliminal (Miguel de Guzmán + Rocío Romero)
| Projektname | Casa Flix |
| Typologie | Umbau |
| Entwurf | GON Architects |
| Leitender Architekt | Gonzalo Pardo |
| Designteam | Carol Linares, Cristina Ramírez, María Cecilia Cordero, Nicolas Howden, Maria Camila Martínez |
| Auftraggeber | Privat |
| Standort: | Madrid, Spanien |
| Fläche: | 42 Quadratmeter |
| Küche: | CUBRO |
| Tischlerei: | Tablas Alcobendas |
| Bau: | REDO Construction |
| Fertigstellung | 2024 |
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