Wohnräume mit Tiefgang
Innenausbau einer Villa am Rhein vom Düsseldorfer Studio Konture
Für eine sechsköpfige Familie hat das Düsseldorfer Studio Konture eine Villa am Rhein gestaltet, die warm, verspielt und überraschend daherkommt – mit poppigen Farben, runden Formen und einer Prise Tatort.
Inmitten der denkmalgeschützten Weißen Siedlung im Düsseldorfer Stadtteil Golzheim steht ein Neubau, der sich äußerlich in das historische Ensemble einfügt – mit weiß gestrichener Klinkerfassade und streng rhythmisierten Fenstern. Doch hinter der Fassade der Villa am Rhein entfaltet sich eine Innenarchitektur, die Konventionen charmant unterläuft: verspielt, weich, wohnlich und überraschend.
Die sechsköpfige Familie, für die das Düsseldorfer Innenarchitekturbüro Konture das Interieur gestaltete, hatte ursprünglich eine Tischlerei mit der Planung beauftragt. Das Ergebnis war jedoch zu kühl, zu geordnet, zu weit entfernt vom lebendigen Alltag mit vier Kindern. „Die Hauptaufgabe bestand darin, dem Interior eine warme und wohnliche Note zu verleihen“, erklärt der Innenarchitekt Norman Kamp. „Deswegen gibt es viele runde, weiche Formen, verspielte Details und neue Materialien. Wir wollten Dinge ausprobieren, die unüblich sind.“
Spielerische Komplexität
Besonders deutlich spürbar wird dieser Ansatz im Wohnzimmer, das nicht nur als zentraler Treffpunkt der Familie dient, sondern auch das gestalterische Herzstück des Hauses bildet. Ein raumhoher Kamin aus Travertin ist mit abgerundeten Ecken ein organisches Monument, das – wie Kamp sagt – „haptisch wunderschön“ ist, „wie ein Flusskiesel“.
Ein L-förmiges Sofa in Pastellfarben, inspiriert vom Interiordesign der 1970er-Jahre, wurde räumlich leicht abgesenkt. Im Rücken der Sitzinsel: der erhöhte Essbereich und ein Holzregal mit versetzten Fächern, das nicht nur Bücher, sondern auch eine kleine, zweiteilige Hausbar beherbergt – mit Fronten aus gelb verzinktem Stahlblech. Das Material stammt ursprünglich aus der Autoindustrie und wird dort als Rostschutz verwendet. „Wir wollten ausprobieren, ob wir das auf ein Möbelstück übertragen können“, sagt Kamp. „Das Besondere ist: Im Licht changiert es von Gelb zu Violett.“ Dieselbe ungewöhnliche Materialwahl findet sich auch bei den Garderobenschränken im Eingangsbereich.
Geniale Geheimverstecke
Zwischen Sofa und Regal befindet sich ein schmaler Durchgang mit verstecktem Stauraum unter der Bodenklappe – eine charmante Reminiszenz an Geheimverstecke aus der Kindheit. Auch unter dem Sofapolster sind Schubladen integriert – praktisch und nahezu unsichtbar.
Der offene Wohnbereich war eine planerische Herausforderung. „In dem Raum passiert sehr viel. Wir haben versucht, ihn aufzuteilen: in einen Essbereich und zwei Sofa-Ecken. Eine für Gäste, eine für die Familie. Das zu verbinden, war keine leichte Aufgabe“, so Kamp. Dabei war auch der Bewegungsspielraum entscheidend: Zwei Treppen, eine links, eine rechts vom Kamin, erlauben flexible Wege durchs Haus. „Uns war wichtig, dass man nie umständlich um etwas herumgehen muss.“
Verdächtig gut gestaltet
Die Küche ist ebenfalls zweigeteilt: Neben Koch- und Essbereich liegt eine separate Vorküche, ausgekleidet mit pastellgelbem Linoleum. Auch in den privaten Räumen setzt sich die Mischung aus natürlichen Materialien und ungewöhnlichen Details fort. Das Elternschlafzimmer wird von maßgefertigten Eichenmöbeln geprägt, darüber spannt sich eine Galerie mit integriertem Arbeitsplatz. Hinter dem Bett mit runder Rattan-Rückwand verbirgt sich das Badezimmer mit frei stehender Wanne, Travertin-Waschtisch und einem Spionspiegel über dem Waschbecken – wie man ihn aus dem Tatort-Verhörraum kennt. „Wir wollten, dass man von der Badewanne aus nach draußen blicken kann“, erklärt der Innenarchitekt, „aber der Spiegel sollte nicht den ganzen Raum abdunkeln.“
Architektur für den Alltag – mit Mut zur Überraschung
Die Villa am Rhein zeigt, wie sich wohnliche Atmosphäre, verspielte Gestaltung und funktionale Alltagstauglichkeit nicht nur vertragen, sondern gegenseitig bereichern können. Konture Studio hat hier kein formales Manifest errichtet, sondern ein Zuhause geschaffen – mit Ecken, Rundungen und Raum für das Leben.
FOTOGRAFIE Jan Kaiser Jan Kaiser
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Sonja Jonsson
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