Yellow Submarine im Gewerbegebiet
Bürobau für Agrosemillas von Impepinable Studio in Spanien
Partner: USM
Das Architekturbüro Impepinable Studio hat ein Bürogebäude im spanischen El Peral realisiert. Der 280 Quadratmeter große Bau verbindet industrielle Logik, ressourcenbewusste Konstruktion und eine bewusst spielerische Gestaltung. Teil des charaktervollen Konzepts sind farblich korrespondierende Möbel von USM.
Abseits urbaner Kontexte, eingebettet in ein agroindustrielles Gefüge aus Lagerhallen, Logistikflächen und weiten Feldern, stellt sich die Aufgabe eines Bürobaus anders dar als in der Stadt. Maßstab, Atmosphäre und Nutzung werden hier von Maschinen, saisonalen Abläufen und infrastrukturellen Zwängen bestimmt. Für das Madrider Büro Impepinable Studio bedeutete das Projekt in El Peral daher zunächst einmal weniger die Gestaltung eines repräsentativen Verwaltungsgebäudes als vielmehr die Entwicklung eines funktionalen Arbeitsortes innerhalb eines bestehenden Produktionszusammenhangs. Der beherzte Einsatz von Farbe, postmodernistischen Gestaltungsmerkmalen und einer geradezu ikonischen Variante des klassischen Sheddachs führte dennoch dazu, dass der funktionale Bau zum identitätsstiftenden Signet der Firma wurde.
Fassade, Farben und postmoderne Referenzen
Bauherr ist Agrosemillas, ein Unternehmen mit langer Tradition in der Saatgutproduktion, das sich aktuell in einer Phase der Neuausrichtung hin zu technologischer Innovation und nachhaltiger Entwicklung befindet. Diese Transformation sollte sich auch architektonisch abbilden. Entstanden ist ein eingeschossiger Baukörper mit 280 Quadratmetern Bruttogrundfläche, der zwischen bestehenden Hallen positioniert ist und mit einem Betonsockel formal an die industrielle Umgebung anknüpft. Darüber liegen vier wiederverwendete Überseecontainer – allesamt in Grün gehalten –, deren Anordnung das prägende Element des Entwurfs bildet.
Nicht minder auffällig sind große, kreisrunde Fenster im Betonsockel, die von ebenso runden, manuell bedienbaren Fensterläden in kräftigem Senfgelb verschlossen werden können. Sie erinnern in ihrer Form an Schiebeschalter und können als Hommage an die Soft-Edge-Ära der spätmodernen Hightech-Architektur gelesen werden. Ja, sogar Gedanken an die Ikonografie der Pop-Art lässt diese Yellow-Submarine-Ästhetik zu. Die Zugänge sind als schmale gelbe Einschnitte in den Beton gefasst und mit streng geometrisch geformten Überkopfverschattungen ausgestattet, wie man sie vom John-Hejduk-Gebäude in Berlin-Kreuzberg kennt – eine klare Reminiszenz an die Postmoderne. Gemeinsam mit den Schiffscontainern auf dem Dach bildet das Äußere des Gebäudes die kräftigen Unternehmensfarben Gelb und Grün ab – Farben, die sich später auch im Interieur und im Büromobiliar von USM konsequent fortsetzen.
Grundriss und Organisation der Arbeitsbereiche
Die räumliche Organisation folgt einer klaren, rasterarförmigen Logik, die auf die unterschiedlichen Anforderungen der Nutzergruppen reagiert. Mitarbeitende aus Lager, Verwaltung und Entwicklung finden hier gleichermaßen Platz. Drei parallel angeordnete Zonen strukturieren den rechteckigen Grundriss: offene Arbeitsbereiche entlang der östlichen Längsseite, Besprechungsräume und Laborbereiche auf der gegenüberliegenden Seite sowie eine mittig angeordnete Servicezone, in der Toiletten, Teeküche, Lager und Eingangsbereiche untergebracht sind.
Der Zugang erfolgt über beide Querfassaden im Norden und Süden, während das Labor zusätzlich über die lange Westfassade von außen erschlossen ist. Diese Trennung folgt den unterschiedlichen Arbeitsabläufen und ermöglicht eine flexible Nutzung, die den saisonalen Schwankungen des Betriebs gerecht wird. Die separaten Zugänge stellen dabei sicher, dass unterschiedliche Nutzergruppen und Arbeitsprozesse parallel organisiert werden können, ohne sich gegenseitig zu beeinträchtigen.
Sheddach, Tageslicht und Farbkonzept im Innenraum
Die vier Dach-Container sind entlang ihrer nördlichen Längsseiten verglast und bilden zusammen eine leicht abgewandelte Form des Sheddachs: Wo klassischerweise Reihen aus Pultdächern zum Licht geöffnet sind, führen hier die quadratischen Querschnitte der Containeraufbauten gleichmäßiges Nordlicht tief in den Innenraum. Diese Form der Belichtung stammt ursprünglich aus industriellen Produktionsbauten, sorgt für konstante Lichtverhältnisse und unterstützt konzentriertes Arbeiten.
Wie außen prägen im Inneren die Unternehmensfarben die Atmosphäre, hier jedoch ergänzt durch Eichenholzoberflächen, transluzente Trennwände und einen polierten Betonboden. Das Grün des Daches setzt sich im Innenraum fort. Auch die gefalteten Stahlwände der Schiffscontainer bleiben sichtbar. Zusätzlich sind Lüftungsrohre und Kabelkanäle unter der Decke in Grün gehalten, was dem Raum eine aufgeräumte Industrieästhetik verleiht. Das Gelb der Fenster setzt sich ebenfalls im Innenraum fort – jedoch subtiler. Hier sind es neben den Fensterrahmen die schmalen Profile von Innentrennwänden und Türöffnungen.
System im Büro: Sideboards und Arbeitstische von USM
Der Clou des Farbkonzepts liegt darin, dass auch Teile der Einrichtung in dem charakteristischen Gelb gehalten sind. Das reicht von kleinen Objekten wie Akkuleuchten oder der Moccamaster-Kaffeemaschine bis hin zum raumgliedernden, modularen Büromobiliar: Das ikonische Sideboard von USM dient im offenen Bürobereich als Raumteiler und Stauraum zwischen den Arbeitstischen und Besprechungsbereichen. Die Elemente bestehen aus zwei Reihen geschlossener Fächer mit Auszügen und Klapptüren in charakteristischem Gelb sowie einem offenen Fach darüber.
Die obersten Regalböden verfügen über runde Öffnungen, in die Pflanztöpfe eingehängt sind. Auf diese Weise kombinieren die funktionalen wie eleganten Module praktischen Stauraum mit Innenraumbegrünung. Letztere sorgt nicht nur für mehr Privatsphäre zwischen den Arbeitsplätzen, sondern verbessert auch Atmosphäre und Raumklima. Durch nahezu grenzenlose Konfigurationsoptionen wurden die Module ideal an die Platzverhältnisse, die Bedürfnisse der Mitarbeitenden und die Identität des Unternehmens angepasst.
Ebenfalls von USM stammen die Arbeitstische in Büros, Besprechungsräumen und im Labor. Mit ihrem verchromten Stahlgestell und den präzise ausgeführten Tischplatten fügen sie sich in die klare, systematische Gestaltung des Innenraums ein. Die Modelle sind in unterschiedlichen Formaten und Oberflächen erhältlich und lassen sich funktional an verschiedene Arbeitsanforderungen anpassen. Durch die identische konstruktive Logik und Materialität sind sie exakt auf die Sideboards abgestimmt, sodass ein durchgängiges, formal wie funktional kohärentes Möbelsystem entsteht.
Verbindung von Produktion, Forschung und Architektur
Der Bau wurde parallel zu umfangreichen Erweiterungen der Produktions- und Lagerflächen realisiert und ist Teil eines größeren betrieblichen Ablaufs. Das Planungsbüro griff auf lokale Handwerksbetriebe und regionale Baukompetenzen zurück, während gleichzeitig industrielle Elemente wie Container und vorgefertigte Stahlstrukturen eingesetzt wurden. Auch funktional ist das Gebäude eng mit der Produktion verknüpft: Teile der begrünten Dachflächen werden für experimentelle Kulturen genutzt und schaffen so eine direkte Verbindung zwischen Forschung, Entwicklung und landwirtschaftlicher Praxis.
Mit einfachen Mitteln und klarer Systematik gelang Impepinable Studio ein Gebäude, das sich aus seinem Kontext heraus entwickelt und zugleich eine neue, charakterstarke Identität formuliert. Zwischen industrieller Zweckmäßigkeit und gestalterischer Eigenständigkeit entstand ein Arbeitsort, der die Werte und Absichten seines Auftraggebers räumlich nachvollziehbar macht.
FOTOGRAFIE DEL RIO BANI DEL RIO BANI
| Auftraggeber: | Agrosemillas |
| Projektstandort: | El Peral, Cuenca, Spanien |
| Fertigstellungsjahr: | 2025 |
| Bruttogrundfläche: | 280 m² |
| Nutzfläche: | 245 m² |
USM
Das 1885 gegründete Familienunternehmen USM wird heute von der vierten Generation geleitet. Als Synonym für zeitloses, anpassungsfähiges Design steht USM für verlässlichste Qualität und Präzision. Flexibilität, Langlebigkeit und demzufolge auch Nachhaltigkeit sind die Grundwerte der Marke.
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